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Berufliche Neuorientierung und Perspektiven Coaching: 5 Fragen an Britta Sauer.

September, 2021, 5 Min

Britta Sauer ist seit 2015 als Senior Coach vorrangig in der Einzel-Outplacement Beratung für die EL-NET GROUP tätig.

Mit ihrem Know-How und der langjährigen Expertise im Coaching von Fach- und Führungskräften unterstützt sie Ihre KlientInnen insbesondere bei der beruflichen Neuorientierungen, bei der Existenzgründung und in Krisensituationen.

Wir haben mit Britta Sauer darüber gesprochen, welchen Ängsten und Herausforderungen sie in der Outplacement Beratung häufig begegnet, wie sie vom Personalabbau betroffenen Mitarbeitenden wieder zu neuen Perspektiven verhilft und wie es ihr in personellen und strukturellen Veränderungsphasen gelingt, Vertrauen zu den KlientInnen aufzubauen.

 

Berufliche Neuorientierung und Perspektiven Coaching: 5 Fragen an Britta Sauer

 

5 Fragen an Britta Sauer

 

Der nachstehende Text basiert auf einem am Telefon geführten Interview.

Britta, du bringst viele Jahre Erfahrung im Coaching von Fach- und Führungskräften mit. Für die EL-NET GROUP bist du hierbei insbesondere Expertin und Ansprechpartnerin in den Bereichen der beruflichen Neuorientierung sowie des Perspektiven Coachings. Kannst du kurz erzählen, zu welcher Phase des Lebens deine Expertise typischerweise hinzugezogen wird?

Die Unterstützung für meine KlientInnen ist meist in Phasen des Wandels gefragt. Wenn etwas Altes zu Ende geht und das Neue noch nicht da ist oder wenn das Neue schon da ist und sich der/die KlientIn besser damit vertraut machen möchte. Diese Phasen gehören zum Leben dazu. Sie betreffen jedes Alter und tangieren berufliche wie private Themenfelder. Beratungen und Coachings, die ich für EL-NET durchführe, werden schwerpunktmäßig von Menschen in Anspruch genommen, die sich im Rahmen von Umstrukturierungen, strategischer Neuausrichtung und Firmenfusionen beruflich neu orientieren. Das betrifft jedes Alter sowie unterschiedliche Funktions- und Hierachieebenen. Ins Perspektiven Coaching kommen vor allem Menschen, die ihre beruflichen Optionen ausloten möchten. Zum Beispiel, weil sie aus irgendeinem Grund vor Jahren in einen Beruf „hineingerutscht“ sind und nun an einem Punkt sind, an dem sie mehr über ihre Stärken und ihre eigentliche Berufung herausfinden möchten.

Unzufriedenheit im Job und die Sehnsucht nach Neuorientierung können unter anderem Auslöser für ein Perspektiven Coaching sein. Was sind hier die Möglichkeiten für Betroffene, für sich selbst wieder neue Perspektiven zu finden?

Überall dort, wo sich Menschen mit veränderten Rahmenbedingungen und Rollenanforderungen konfrontiert sehen, unterstützt Coaching sie dabei, Antworten auf viele Fragen zu finden und sich passende, neue Handlungsoptionen zu schaffen. Als Coach gebe ich keine Lösungen vor, sondern der/die KlientIn und ich arbeiten als PartnerInnen zusammen. Gemeinsam finden wir eine individuelle, stimmige, berufliche Neuausrichtung. Manchmal finden KlientInnen durch das Coaching auch heraus, dass ihr derzeitiger Beruf genau der richtige ist und nur ein paar Rahmenbedingungen verändert werden müssen, damit ihnen die Arbeit wieder richtig Spaß macht.

Als erstes schauen wir uns ganz präzise an, wo der/die KlientIn gerade steht, wo er/sie hinmöchte, welche beruflichen Träume aus der Vergangenheit vielleicht noch darauf warten, endlich gelebt zu werden, welche Hindernisse es auf dem Weg zum Ziel gibt und welche Lösungen in Frage kommen. Aus meiner Praxis weiß ich, dass es häufig zahlreiche Möglichkeiten gibt, für sich eine neue, passende berufliche Perspektive zu finden. Manchmal hilft es auch schon, den Blickwinkel von einer Entweder-oder-Position zu einer Sowohl-als-auch zu verlagern.

Nun wird das Perspektiven Coaching auch zunehmend für Personen in der dritten Lebensphase interessant. Wie gelingt für Personen 50+ ein gelungener Übergang in die Rente und folglich ein sinnerfülltes Leben im Alter?

Was ist ein sinnerfülltes Leben? Das ist eine gute Frage und je älter Menschen werden, desto mehr rückt sie in den Fokus. Um sie zu beantworten, möchte ich kurz den Begriff „Sinn“ näher beleuchten. In der Systemtheorie ist Sinn nicht etwas, was entdeckt werden muss. Vielmehr wird Sinn von Systemen, also auch von Menschen, die ja lebende Systeme sind, ununterbrochen durch Wahl erzeugt. Durch Auswahl entsteht nach dem Systemtheoretiker Niklas Luhmann also Sinn. Und um Optionen, die sich einem bieten, zu erkennen und in Einklang mit den eigenen Bedürfnissen zu bringen, ist es gut, die eigenen Denk- und Handlungsmuster, funktionale wie dysfunktionale, besser zu verstehen. Dabei kann Coaching und Beratung immens hilfreich sein.

Welchen Ängsten und Herausforderungen begegnest du dabei in deiner Outplacement Beratungstätigkeit häufig?

Ängste oder Befürchtungen der KlientInnen kreisen häufig um Fragen der Qualifikation und um vermeintliche bzw. tatsächliche Beeinträchtigungen. Das sind Fragestellungen wie: „Bin ich gut genug?“ „Weiß ich darüber ausreichend Bescheid?“ „Was, wenn meine Fähigkeiten nicht ausreichen?“ „Was, wenn meine neuen KollegInnen von meiner Legasthenie erfahren?“ „Ich habe ADHS, Epilepsie, kleine Kinder, pflegebedürftige Eltern, meine Frau bzw. mein Mann hat eine unheilbare Krankheit – kommt jetzt ein Vollzeit-Job überhaupt noch für mich in Frage?“

Unternehmen leisten zwar immer mehr, damit es ihren MitarbeiterInnen gelingt, Karriere und Familie zu vereinbaren: Betriebskindergärten, Home-Office-Angebote oder flexible Arbeitszeitmodelle. Diese Angebote gelten jedoch nur zum Teil für Führungskräfte. Ihnen gegenüber herrscht noch immer die Ansicht, wer für seinen Bereich die Strategie und Richtung vorgibt, der muss Vollzeit arbeiten und jederzeit erreichbar sein. Ich denke, dass Unternehmen gut beraten sind, mehr Jobs für Führungskräfte in Teilzeit anzubieten, um für Spitzenkräfte attraktiv zu bleiben. Aber zurück zu deiner Frage. Zuweilen melden sich bei den KlientInnen auch innere Stimmen, die alles in Frage stellen. Und natürlich gibt es auch Bedenken bezüglich monetärer Kriterien: „Werde ich genauso viel verdienen, wenn ich meine beruflichen Weichen neu stelle?“ „Wie sieht es mit der Altersvorsorge aus?“ „Was muss ich steuerlich bedenken?“ An dieser Stelle verweise ich dann an die ExpertInnen von EL-NET, die in Kooperation mit externen Partnern über eine ausgezeichnete Expertise zu Fragen der Steuer-, Rechts-, Vorsorge- und Rentenberatung verfügen.

Und wie gelingt es dir in diesen personellen und strukturellen Veränderungsphasen, Vertrauen zu den KlientInnen aufzubauen?

Nach meinem Verständnis ist Coaching ein freier, aktiver und selbstverantwortlicher Prozess, der zielorientiert und zugleich ergebnisoffen ist. Meine KlientInnen und ich sind in diesem Prozess Partner. Die Coachings und Beratungen finden auf Augenhöhe statt. Ganz wichtig ist mir auch, dass alles, was im Rahmen der Coachings besprochen wird, streng vertraulich ist und auch bleibt. Meine Interventionen basieren auf humanistischen Grundwerten. Sie sind theoretisch fundiert und in der Praxis erprobt. Selbstverständlich mache ich sie auf Wunsch transparent und nachvollziehbar. Als freiberuflicher Coach agiere ich unabhängig im Interesse der KlientInnen – wertschätzend, erfahren, authentisch. Dass ich und meine KollegInnen auch in strukturellen Veränderungsphasen das Vertrauen der KlientInnen gewinne liegt aber nicht zuletzt daran, dass wir uns im gesamten Team von EL-NET – vom Projektmanagement bis hin zur Beratung – vertrauen und uns gegenseitig bei Fragen unterstützen. Diese Sicherheit auf allen Ebenen können wir unseren KlientInnen weitergeben und somit Vertrauen aufbauen.

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