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Persönlichkeitsanalysen und Selbstständigkeit als zweite Karriere: 5 Fragen an Cornelia-Ines Pfeffer.

September, 2021, 5 Min

Cornelia-Ines Pfeffer ist als ausgebildete und zertifizierte Coachin und psychologische Beraterin seit 2008 für die EL-NET GROUP aktiv. Sie verfügt über mehr als 18 Jahre Erfahrung in der Unternehmens-, Personal- und Outplacement Beratung und half bereits Hunderten von KlientInnen in der beruflichen Neuorientierung. 

Wir haben mit Cornelia-Ines Pfeffer über die Selbstständigkeit als zweite Karrierechance gesprochen, über die Beweggründe, die zu dem Wunsch nach einer Existenzgründung führten und in welchen Fällen Sie KlientInnen von dem Schritt hin zur Selbstständigkeit abrät.

 

Persönlichkeitsanalysen und Selbstständigkeit als zweite Karriere: 5 Fragen an Cornelia-Ines Pfeffer

 

5 Fragen an Cornelia-Ines Pfeffer

 

Der nachstehende Text basiert auf einem am Telefon geführten Interview.

Cornelia, du hast schon sehr viele Unternehmen und betroffene Mitarbeitende im Rahmen eines Personalabbaus betreut. Wie gehst du vor, um die Betroffenen schnell in ein neues Jobverhältnis zu vermitteln?

Zuerst müssen wir schauen, wo die Betroffenen stehen. Wie kommen sie mit der Trennung zurecht? Denn viele unserer KlientInnen verfügen über eine lange Betriebszugehörigkeit und sind hinsichtlich der beruflichen Möglichkeiten auf dem externen Arbeitsmarkt verunsichert. Es ist von großer Bedeutung, positiv nach vorne zu schauen, bevor man sich überhaupt mit der beruflichen Neuorientierung beschäftigt. Dann geht es weiter in die Standortbestimmung. Da schauen wir, welche Faktoren außerdem eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel die familiäre Situation oder finanzielle Verpflichtungen. Es können etwa Pflegefälle in der Familie sein, die Kinder sind noch im Studium oder das Haus muss abbezahlt werden. Nachdem diese Punkte geklärt sind, analysieren wir die Kompetenzen, Persönlichkeitsstärken und Präferenzen unserer KlientInnen. Hier nutzen wir viele spannende Tools um diese aufzudecken. Was wirklich Spaß macht ist, wenn unsere KlientInnen Aha-Erlebnisse haben und sich darüber bewusstwerden, was sie alles zu bieten haben – denn das wissen sie am Anfang oftmals nicht. Auf dieser Basis geht es weiter. Dann geht es darum, wohin die Reise hinführen soll. Die meisten gehen wieder in ein Angestelltenverhältnis, das zu ihrer Tätigkeit passt oder nutzen diese Gelegenheit für einen Wechsel hin zu einem neuen Karriereschritt.

Rund 15% der Betroffenen wechseln nach dem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit. Welche Beweggründe haben vom Stellenabbau Betroffene, nach Jahren im Angestelltenverhältnis in eine selbstständige oder unternehmerische Tätigkeit zu starten?

Tatsächlich nutzten nicht wenige die Chance, sich selbstständig zu machen. Das ist aber nicht immer vorab der Plan oder das Ziel, wenn die Betroffenen in die Beratung kommen. Grundlegend muss man unterscheiden zwischen den KlientInnen, die noch gar keine Vorstellung haben, wie ihre berufliche Zukunft aussieht, die aber in alle Richtungen offen sind und sich oftmals auch einen Branchenwechsel wünschen und denen, die ganz klar schon mit dem Ziel der Selbstständigkeit in die Beratung kommen. Der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung, nach mehr Freude und Sinn nach Jahren in den Mühlen der Unternehmen und Konzerne und oftmals auch starren Prozessen, steht hier im Vordergrund. Manche, vor allem die Älteren und gut Vernetzten, gehen als Interim-ManagerIn, Freelancer oder freie BeraterIn in die Selbstständigkeit. Andere wiederum gründen ihr Herzensbusiness und nutzen die Abfindung als Startkapital. Das kann beispielsweise die Gründung eines Yoga-Studios sein. Ganz spannend sind solche, das sind oftmals die Jüngeren, die neue und spannende Geschäftsideen entwickeln. Ich hatte zum Beispiel einen Physiker beraten, der in der IT gearbeitet und dann einen Online-Shop für Up-Cycling Produkte gründet hat.

Worin unterscheidet sich deine Beratungstätigkeit in die Selbstständigkeit im Vergleich zur klassischen Vermittlung in ein neues Arbeitsverhältnis?

Auch hier kommt es erst einmal darauf an, ob die KlientInnen schon mit einer klaren Vorstellung in die Beratung kommen. Allgemein schauen wir bei allen KlientInnen, also auch bei diesen, die den Schritt in die Selbstständigkeit gehen wollen, darauf, was sie mitbringen. Das heißt: Welche Kompetenzen sind vorhanden? Woran fehlt es gegebenenfalls? Und wie sieht es mit der Persönlichkeit aus? Sind sie fähig sich selbst zu organisieren? Können sie gut alleine arbeiten oder benötigen sie ein Team? Nach der Standortbestimmung und Kompetenz- und Persönlichkeitsanalyse geht die Beratung in eine andere Richtung. Das heißt, hier unterstützen wir bei der Erstellung von Businessplänen, stehen als kritische Sparringspartner zur Seite, beraten zu Fördermöglichkeiten, Webauftritten dem Aufbau von Akquise und vieles mehr.

In welchem Fall rätst du von einem Schritt in die Selbstständigkeit als zweite Karriere ab?

Zuerst einmal muss die Geschäftsidee tragfähig sein. Auch muss die Finanzierung, vor allem in der ersten Zeit der Geschäftsgründung, gesichert sein. Die KlientInnen müssen zudem in der Lage sein, sich gut zu organisieren oder sich Unterstützung in den Bereichen zu sichern, die sie selber nicht leisten können. Zum Beispiel in Form von virtuellen Assistenten, Partnern oder auch Leuten, die sie im Vertrieb unterstützen. All das zeigt sich bereits in der Kompetenz- und Persönlichkeitsbestimmung. Wenn es da Zweifel gibt, rate ich gegebenenfalls auch von dem Weg in die Selbstständigkeit ab.

Welche Chancen eröffnen sich für KlientInnen, die ihre Abfindung als Finanzierungsalternative hin zur Selbstständigkeit nutzen?

Ein hohes Maß an beruflicher Zufriedenheit oder sogar viele berufliche Glücksmomente. Ich habe oftmals noch viele Jahre nach der Beratung den Kontakt zu KlientInnen und höre dann Sätze wie zum Beispiel “Das war die beste Entscheidung meines Lebens”. Die Freude und Motivation an dem, was man tut, ist unerlässlich groß.

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